LINIE
FLÄCHE
RAUM
Die drei Dimensionen des Buches in der Diskussion der Gegenwart und der Moderne
Carlos Spoerhase (2016)
◼️Das Buch als Objekt ist ein Blindspot: Inwiefern ist das Buch in seiner „überkommenen Gestalt“ aber ein Medienformat der Vergangenheit? Benjamin glaubt, dass sich eine „bedeutende literarische Wirksamkeit“ nunmehr ausschließlich in „Flugblättern, Broschüren, Zeitschriftartikeln und Plakaten“ entfalten könne; für die „anspruchsvolle universale Geste des Buches“ – die, so ließe sich hinzufügen, von Mallarmé mit „Un coup de dés“ noch vollzogen wurde – gebe es in der Gegenwart keinen Platz.
◼️◼️Bereits die Zeitung wird mehr in der Senkrechten als in der Horizontalen gelesen, Film und Reklame drängen die Schrift vollends in die diktatorische Vertikale.
◼️◼️◼️Die Schrift, die im gedruckten Buche ein Asyl gefunden hatte, wo sie ihr autonomes Dasein führte, wird unerbittlich von Reklamen auf die Straße hinausgezerrt und den brutalen Heteronomien des wirtschaftlichen Chaos unterstellt.
◼️◼️◼️◼️Die plane zweidimensionale Seite (des Buchs, Plakats, der Zeitung) sei Gegenstand der theoretischen Reflexion und der (konkret) gestalterischen Dekonstruktion gewesen, nicht aber das dreidimensionale Buch. Dieses bleibe weitgehend intakt, weil bisher „für das Buch als Körper keine neue Gestalt“ gefunden worden sei.
◼️◼️◼️◼️◼️Für weite Teile der theoretischen Reflexion über textuelle Materialität ist das Buch als bloß zweidimensionale Seitenfläche von einem Bildschirm überhaupt nicht zu unterscheiden. Um es etwas zuzuspitzen: Bis in die Gegenwart wurde das Buch theoretisch meist so diskutiert, als ob es sich auch um den Bildschirm eines avancierten „E-Book- Readers“ handeln könnte.
LINIE, FLÄCHE, RAUM
Carlos Spoerhase
Das Buch als Objekt ist ein Blindspot:
Inwiefern ist das Buch in seiner „überkommenen Gestalt“ aber ein Medienformat der Vergangenheit? Benjamin glaubt, dass sich eine „bedeutende literarische Wirksamkeit“ nunmehr ausschließlich in „Flugblättern, Broschüren, Zeitschriftartikeln und Plakaten“ entfalten könne; für die „anspruchsvolle universale Geste des Buches“ – die, so ließe sich hinzufügen, von Mallarmé mit „Un coup de dés“ noch vollzogen wurde – gebe es in der Gegenwart keinen Platz.
Bereits die Zeitung wird mehr in der Senkrechten als in der Horizontalen gelesen, Film und Reklame drängen die Schrift vollends in die diktatorische Vertikale.
Die Schrift, die im gedruckten Buche ein Asyl gefunden hatte, wo sie ihr autonomes Dasein führte, wird unerbittlich von Reklamen auf die Straße hinausgezerrt und den brutalen Heteronomien des wirtschaftlichen Chaos unterstellt.
Die plane zweidimensionale Seite (des Buchs, Plakats, der Zeitung) sei Gegenstand der theoretischen Reflexion und der (konkret) gestalterischen Dekonstruktion gewesen, nicht aber das dreidimensionale Buch. Dieses bleibe weitgehend intakt, weil bisher „für das Buch als Körper keine neue Gestalt“ gefunden worden sei.
Für weite Teile der theoretischen Reflexion über textuelle Materialität ist das Buch als bloß zweidimensionale Seitenfläche von einem Bildschirm überhaupt nicht zu unterscheiden. Um es etwas zuzuspitzen: Bis in die Gegenwart wurde das Buch theoretisch meist so diskutiert, als ob es sich auch um den Bildschirm eines avancierten „E-Book- Readers“ handeln könnte.